Da musste ich meinem Ärger über diesen albernen Besuch doch gleich mal produktiv Luft verschaffen
Mein Kommentar für die morgige TV-Ausgabe:
Besuch in Absurdistan
Das deutsche Feldlager Kundus muss wohl mitten in Absurdistan liegen. Anders ist es nicht zu erklären, dass nicht nur der Verteidigungsminister die deutschen Truppen besucht, sondern dass er auch noch seine liebreizende Gattin mitgenommen hat, die medienwirksam durchs Feldlager gestiefelt ist. Vollends zur Farce wird der Besuch aber durch den Fernsehmoderator Johannes B. Kerner, der eine Talkshow in Afghanistan aufzeichnen soll.
Was soll dieser Zirkus?
Natürlich können Ehepartner hochrangiger Politiker bei repräsentativen Besuchen dabei sein. Aber warum bei einem Truppenbesuch in einem Kampfgebiet? Es ist Aufgabe des Verteidigungsministers, die Truppen zu besuchen, sie zu unterstützen und für ihren Auftrag auch in der Öffentlichkeit zu werben. Was aber trägt seine Frau dazu bei? Oder ein Fernsehmoderator?
Es geht dabei noch nicht einmal um die Verschwendung von Steuergeldern, die dieser Besuch verursacht. Es geht konkret um die Gefährdung der Soldaten. Solch ein Besuch bedeutet immer eine größere Gefahr, schließlich wäre ein Minister ein lohnenswertes Ziel für einen feindlichen Angriff. Ungleich lohnenswerter, wenn seine Frau dabei ist und ein berühmter Fernsehmoderator. Die deutschen Soldaten stehen unter noch stärkerer Belastung während dieser Zeit. Sie müssen Gäste mitten in einem Kampfgebiet besonders schützen, statt sich auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren zu können. Sie müssen aufwändig ihre Arbeit vor Ort präsentieren und erläutern, anstatt sie einfach zu tun. Und dann sollen sie auch noch eine Talkshow bestreiten, während außerhalb des Lagers ihre Kameraden vielleicht in den nächsten Hinterhalt geraten.
Über die Sinnhaftigkeit des Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan lässt sich trefflich streiten. Aber sie sind im Auftrag des Parlaments, und damit im Auftrag aller Deutschen, am Hindukusch. Sie riskieren dort täglich ihr Leben. Allein diese Bereitschaft verdient mehr Respekt, als sie zur Inszenierung von Politik zu missbrauchen.


